Tausend Tode, die ich sterbe

© Fotos: Charlotte Bösling

 

 

Man kann kaum ich sagen, da ist es schon passiert - man hat sich geschämt. Für schlechten Atem, Achselschweiß, Armut. Für Feigheit, Familie, fürs Fremdgehen. Fürs Vergessen, Verletzen, Versagen. Scham ist ein besonderer Affekt, der von einem persönlichen Gefühl im Alltagsleben über ein Erleben von Unzulänglichkeit und der daraus folgenden inneren Krise bis hin zu einer philosophischen Erfahrung des Menschseins reicht. 

Hast du dich heute schon geschämt? Ich mich schon. Mindestens tausend Mal. 

Tausend Tode, die ich sterbe gibt diesem Affekt eine Bühne. Die Machtmechanismen von Handelnden und Schauenden werden ernst genommen, die Schamhaftigkeit dieses Verhältnisses befragt und so für ihre politische Relevanz geöffnet. Jede Scham vor sich selbst ist eine schmerzhafte Selbsterkenntnis, jede Scham vor Publikum eine desaströse Öffentlichwerdung der eigenen Ungenügsamkeit. Die Performance ist eine leidenschaftliche Suche nach einer Äußerungsform für das, was nicht nach außen will. Ein konstruktives Sprechen gegen die Peinlichkeit, darüber was Scham ist und darüber was sie ausgelöst hat. 

Ein Abend vom Wegschauen, über das Zusehen zum Hingucken. Über das, was sich zeigt, wenn es sich verbirgt. 

 

Stadttheater Gießen || 2019

Konzept | Text | Inszenierung: Laura Eggert | Lisa Schettel | Constantin von Thun | Nils Michael Weishaupt

Performance: Lisa Schettel | Constantin von Thun | Nils Michael Weishaupt

mit dem Avanti Dilettanti Chor 

Kostüme: Nora Schneider

Video: Charlotte Bösling 

Produktion: Martin Bien